Der Froschkönig oder besser... Edward, küss mich!

Ein Märchen... sehr frei nach den Gebrüdern Grimm

(c) Twilove


In den alten Zeiten, wo das Wünschen noch wünschenswert war, lebte König Charlie der Vierte. Seine drei Töchter waren alle wunderschön. Die eine so hell wie der Tag, die andere so elegant wie die Nacht, die jüngste aber war so schön, dass die Sonne selber, die schon so vieles gesehen hat, sich verwunderte, sooft sie ihr ins liebliche hellhäutige Gesicht schien, welches von einer Kaskade langer, brauner Wellen umgeben war.

Nahe bei dem Schlosse des Königs lag ein großer, dunkler Wald, und in dem Walde, unter einer alten Linde, war ein Brunnen. Wenn nun der Tag recht heiß war, so gingen die bezaubernden Königskinder hinaus in den Wald.

„Rosalie, nun beeil dich bitte, du schaust jetzt schon über zwanzig Minuten in den Spiegel.“

Springend hüpfte Prinzessin Alice die große, gewundene Treppe hinunter in die Eingangshalle und kam auf dem frisch gebohnerten Boden gerade noch rechtzeitig schlitternd zum Stehen, um die letzten Meter würdevoll an den treuen Dienern vorbei hinaus zu schreiten.

Dort erblickte sie ihre andere Schwester Bella, die sich gerade zu ihrem treuen Begleiter hinunterbeugte, und verdrehte sehr undamenhaft ihre Augen.

„Können wir nicht einmal ohne deinen Köter in den Wald gehen?"

Diese fuhr fort, ihrem Wolfshund sanft den Kopf zu kraulen, der sich genüsslich an ihr Bein schmiegte. „Nein, meine liebe Alice. Du weißt, unser Herr Vater hat uns ermahnt, im Wald vorsichtig zu sein. In der letzten Zeit gehen unheimliche Dinge vor sich. Da kommt mein Jake auf jeden Fall mit.“ Wie zur Bestätigung bellte Jake kurz freudig auf.

Sobald Prinzessin Rosalie sich zu ihnen gesellte, schlenderten sie zusammen in den Wald zum alten Brunnen und setzten sich, um dort ihre erhitzten Füße zu kühlen. Als sie Langeweile bekamen, nahm Prinzessin Bella einen vergoldeten Apfel, warf ihn in die Höhe und fing ihn wieder; denn das war ihr liebstes Spielzeug.

Nach einer Weile fingen die Schwestern an, sich den Apfel gegenseitig zuzuwerfen.

Nun trug es sich aber zu, dass der goldene Apfel der Prinzessin Bella nicht in ihr Händchen fiel, das sie in die Höhe gehalten hatte, sondern vorbei auf die Erde schlug und geradezu ins Wasser hinein rollte.

Alle drei Prinzessinnen erschraken und folgten ihm mit den Augen nach, aber der Apfel verschwand, und der Brunnen war tief, so tief, dass man keinen Grund sah.

Da fing Prinzessin Bella herzzerreißend an zu fluchen und fluchte immer lauter und konnte sich gar nicht beruhigen.

„Alice, kannst du denn nicht besser zielen? Jetzt ist mein kostbarer goldener Apfel in den Brunnen gefallen.“

Aber das ließ sich Prinzessin Alice nicht gefallen und sprach: “Wenn du auch so ungeschickt bist und ihn fallen lässt. Da kann ich doch nichts dafür!“

Prinzessin Rosalie versuchte ihre Schwestern zu beruhigen und zeigte plötzlich auf die dunkle Wasserfläche, die verdächtig anfing zu brodeln.

„Meine Schwestern, schaut!“

Erschrocken hielten sie in ihren Beschuldigungen inne und schauten gebannt in den Brunnen. Jake lief aufgeregt am Brunnenrand hin und her und jaulte dabei.

Da tauchte in dem Wasserstrudel elegant ein V-förmiges silbernes und sehr schnittiges Seerosenblatt aus der Tiefe auf. In der Mitte vom Blatt erblickten sie einen schneeweißen Frosch mit Augen so grün wie Frühlingslaub. Kleine Wasserperlen hingen an seiner blendend hellen Haut und ließen den Frosch im Sonnenlicht wie Tausende kleiner Diamanten glitzern. Dieser warf seinen schönen Kopf mit seiner verwuschelten kupferfarbenen Haarlocke nach hinten und blickte die Prinzessinnen an.

„Was habt Ihr vor, Königstöchter, Ihr schreit ja, dass sich ein kalter, glatter, samtiger Stein erbarmen möchte.“

Staunend und mit offenen Mündern starrten die Schwestern auf diesen unwirklichen Frosch. Sie konnten ihre Blicke nicht von diesem überirdisch schönen Wesen wenden.

Prinzessin Rosalie fand diesen Frosch so bewundernswert, sie hätte ihn gerne besessen, da sie wunderschöne Dinge sammelte.

Prinzessin Alice träumte gleich von einer neuen kleinen Frosch-Kollektion, was sie als kleine Abwechslung von ihren Puppenkleidern ansah.

Prinzessin Bella aber fuhr der Anblick dieses Frosches direkt ins Herz. Das wilde Bellen von Jake ignorierend sprach sie:
"Oh, du bist wunderschön, Wasserpatscher, wir streiten uns wegen meinem goldenen Apfel, der mir in den Brunnen hinabgefallen ist.“

„Seid still und streitet nicht“, antwortete der Frosch, „ich kann wohl Rat schaffen, aber was gibst du mir, wenn ich dein Spielwerk wieder heraufhole?“

„Was immer du haben willst, lieber Frosch“, sagt sie, „meine Kleider, meine Perlen und Edelsteine, auch noch die goldene Krone, die ich trage.“

Der Frosch antwortete: „Deine Kleider, deine Perlen und Edelsteine und deine goldene Krone, die mag ich nicht, aber wenn du mich lieb haben willst, und ich soll dein Geselle und Spielkamerad sein, an deinem Tischlein neben dir sitzen, von deinem goldenen Tellerlein essen, aus deinem Becherlein trinken, in deinem Bettlein schlafen; wenn du mir das verspricht, so will ich hinuntersteigen und dir den goldenen Apfel wieder heraufholen.“

„Oh weh!“ hörte man Prinzessin Rosalie klagen. „Warum ist mir nicht der goldene Apfel in den Brunnen gefallen. Ich würde es sofort versprechen!“ Sie schaute neidisch zu Prinzessin Bella. Auch von Prinzessin Alice vernahm man ein „Mist!“

Jake hingegen versuchte sich auf den Frosch zu stürzen und ließ erst von seinem Vorhaben ab, als Prinzessin Bella ihn scharf zurück pfiff. Winselnd und sehr unwillig legte er sich dicht neben Prinzessin Bella auf den Boden, die ihn kurz zur Beruhigung über den Rücken strich.

„Ach ja, ich verspreche dir alles, was du willst“, antwortete Prinzessin Bella schnell. „Wenn du mir nur den Apfel wiederbringst.“ Sie dachte aber traurig: 'Sollte das wirklich möglich sein? Was der einfältige Frosch schwätzt, der sitzt im Wasser bei seinesgleichen und quakt und kann keines Menschen Geselle sein. Wie schade.'

Der Frosch, als er die Zusage erhalten hatte, tauchte seinen Kopf unter, sank hinab, und über ein Weilchen kam er wieder herauf gerudert, hatte den Apfel im Maul und warf ihn ins Gras. Die Königstochter war voll Freude, als sie ihr schönes Spielwerk wieder erblickte, hob es auf und sprang damit fort. Dicht gefolgt von einem erleichterten Jake.

„Warte, warte“, rief der Frosch, „nimm mich mit, ich kann nicht so laufen wie du.“

Mit wild klopfendem Herzen vernahm Prinzessin Bella seine Worte. „Meint Ihr es ernst, Frosch? Wollt Ihr mir wirklich folgen?“ Große Hoffnung schwang in ihren Worten mit.

Als der Frosch nickte, schickte sie sich an, trotz Jakes heftigem Geknurre, ihn hochzunehmen und erschrak fürchterlich. Er fühlte sich eiskalt und hart an; aber auf eine sehr angenehme Weise, so dass ihre Haut anfing zu kribbeln. Schnell machten sich die Königstöchter auf den Heimweg.

An diesem Tag, als sie sich mit dem König und allen Hofleuten zur Tafel setzten und Prinzessin Bella ihren Frosch, plitsch platsch, plitsch platsch, neben ihrem goldenen Tellerlein absetzte, wunderte sich König Charlie sehr.

„Mein Kind, was soll das bedeuten? Was macht dieser Wasserpatscher an meiner Tafel?“

„Ach, lieber Vater, als wir heute im Wald bei dem Brunnen saßen und spielten, da fiel mein goldener Apfel ins Wasser. Und weil ich so, äh weinte, hat ihn dieser liebe, freundliche Frosch wieder heraufgeholt, und da versprach ich ihm, er sollte mein Geselle werden.“

„Was! Habe ich dir nicht extra den treuen Jake als Begleiter gegeben?“ Wütend glitt sein Blick suchend durch den Saal und blieb an dem Wolfshund hängen.

Dieser saß winselnd hinter Prinzessin Bellas Stuhl und ließ den Frosch nicht aus den Augen.

„Vater, gräme ihm nicht, er hat es versucht...“ Sie drehte sich zu ihrem treuen Gefährten um und versuchte ihn zu trösten, indem sie ihm hinter seinem Ohr kraulte. „Mein lieber Jake, ich habe mich entschieden!“ Zu ihrem Vater gewandt setzte sie nach: „Ich habe es dem Frosch versprochen!“

Resignierend sagte der König: „Was du versprochen hast, das musst du auch halten. So sei es!“

Unter den neidischen Blicken der anderen Königskinder, und dem des knurrenden Jake, aßen Prinzessin Bella und ihr liebster Frosch zusammen vom goldenen Tellerlein und teilten sich ein Becherlein. Immer wieder warfen sie sich verstohlene Blicke zu und wann immer sie sich berührten, durchfuhr die Prinzessin ein wundersam kribbelndes Gefühl. Als Prinzessin Bella es kaum noch aushielt, erlöste sie der Frosch und sprach:

„Ich habe mich satt gegessen und bin müde, nun trag mich in dein seiden Bettlein, da wollen wir uns schlafen legen.“ Die Königstochter beeilte sich mit dem Aufstehen, warf dabei ihren Stuhl um, wobei er fast Jake traf, der schnell davon lief, und wandte sich schnell der Treppe zu.

König Charlie aber ward zornig und sprach: „Wie konnte das nur geschehen? Doch du hast es so gewählt, so sei es! Dieser Wasserpatscher sei von nun an dein Geselle und Gemahl!“

Prinzessin Bella trug ihren schneeweißen Frosch hinauf und setzte ihn in eine warme Ecke auf ihr bestes Kissen, da Jake sich bereits wie gewohnt am Fußende des Bettes zum Schlafen zusammen gerollt hatte. Als sie aber traurig zu ihrem Bette schritt und mit herzzerreißender Miene ihrem Gefährten auf seinem Kissen einen letzten Blick zuwarf, da kam der Frosch schon zum Himmelbett gewatschelt und sprach: „Ich bin müde, ich will schlafen so gut wie du; heb mich herauf.“

Voller Freude wollte Prinzessin Bella seiner Bitte nachkommen, da stürzte sich urplötzlich Jake auf den Frosch und ein wilder Kampf begann. Panische Angst durchfuhr die Königstochter und sie bangte einzig und allein um ihren liebsten Frosch, doch bevor sie überhaupt reagieren konnte, klatschte der Frosch gegen die Wand und Jake lief aufheulend und winselnd aus ihrem Gemach.

Wildes Licht durchzuckte das Gemach und als der Zauber vorüber war, suchte ihr Blick ihren Frosch, doch da ward er kein Frosch mehr, sondern ein Königssohn mit denselben schönen, grünen, intensiv leuchtenden Augen. Schief lächelnd stand er vor ihr und fuhr sich mit einer Hand durch sein herrliches vom Kampf zerzaustes kupferfarbenes Haar.

Prinzessin Bella blieb bei seinem Anblick das Herz stehen und konnte ihr Schicksal kaum glauben, denn das ward nun nach ihres Vaters Willen ihr lieber Geselle und Gemahl.

Da erzählte er ihr, sein Name wäre König Edward, er wäre von der bösen Hexe Tanya verwünscht worden, und niemand hätte ihn aus dem Brunnen erlösen können als sie allein, und morgen wollten sie zusammen in sein Reich gehen und wahrlich Hochzeit halten.

So trat sie vor ihn und bat: „Edward, küss mich!“ Und kaum hatten sich ihre Lippen zu einem keuschen Kuss vereint, als auch das wundersame Kribbeln beide Königskinder durchfuhr und so versanken sie in einem leidenschaftlichen Kusse.

Dann schliefen sie ein, und am anderen Morgen kam ein silberfarbener Wagen herangefahren, mit acht weißen Pferden bespannt, die hatten weiße Straußenfedern auf dem Kopf und gingen in silbernen Ketten.

Der Wagen fuhr den jungen König Edward und seine Prinzessin Bella in sein Reich. Das Letzte, was sie vernahmen, war das Geheul eines einsamen Wolfshundes.

Und so lebten sie glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

2 Kommentare:

  1. Huch, da bleibt man über die Feiertage mal ein bisschen abstinent und schon so viele neue Geschichten. Du warst ja echt fleißig, wow! Schon in Minaras Adventskalender fand ich die Märchen wunderschön. Das hier passt 1a dazu.
    Beim Lesen merkt man, dass die "Romantiknudel" beim Schreiben richtig Spaß hatte. Es ist toll geworden. Danke!

    Cindebella

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  2. Hehe ich treib mich so ewig schon hier rum und habe noch nie die Oneshots gelesen.
    Lach das war ein zauberhaftes kleines Märchen =)
    LG Steffi

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